Kann man sein Kind Einsamkeit, Schmerz oder zersägter Berg nennen? Ja, man kann – zumindest in Spanien. Viele spanische Mädchennamen warten mit einer durchaus kuriosen Übersetzung auf. Das liegt an der religiösen katholischen Tradition Spaniens, in der viele moderne Mädchennamen ursprünglich Beinamen für den beliebtesten Vornamen “María” waren.

Alba: Das Adjektiv albo oder alba ist im Spanischen ein poetischer Ausdruck für „weiß“.

Amaia: Amaia, seltener Amaya geschrieben, kommt wohl aus dem Norden Spaniens. Auf Baskisch bedeutet der Name so viel wie „Ende“, in Anlehnung an eine antike Stadt in Kantabrien aber auch „hoch gelegener Ort“.

Amparo: Dieser für den deutschen Blick gar nicht weiblich klingende Name bedeutet “Hilfe” oder “Schutz”. Wie viele andere spanische Mädchennamen wurzelt er in einem Beinamen der Jungfrau Maria.

Ángeles: Männer können in Spanien Ángel (“Engel”) heißen, Mädchen heißen – wie viele Engel! Tatsächlich ist Ángeles die Mehrzahl von ángel.

Belén: In dem beliebten Mädchennamen Belén spiegelt sich erneut spanische Religiosität, denn Belén ist die spanische Bezeichnung für den biblischen Ort Bethlehem.

Blanca: Ebenso wie der Name Alba bedeutet dieser Name übersetzt “weiß” beziehungsweise “die Weiße”.

Carmen: Für viele ist Carmen der spanische Name schlechthin. Ursprünglich wurde er in der Kombination „María del Carmen“ verwendet, was in etwa „Maria vom Berg Karmel“ bedeutet. Der Karmeliterorden stammt aus der gleichen historischen Wurzel.

Catalina: Dieser besonders in den katalanischsprachigen Gebieten Spaniens beliebte Name ist die spanische Form von Katharina, dessen genaue Bedeutung jedoch umstritten ist.

Clara: Dieser Name ist nicht nur in Spanien beliebt. Er steht in seiner Bedeutung in einer Reihe mit Alba und Blanca, denn er bedeutet „rein“ und „klar“.

Concepción: Dieser Name gehört zu den Namen, die ursprünglich nur in Verbindung mit dem Namen María vergeben wurden. Concepción bedeutet übersetzt „Empfängnis“. Trägerinnen des Namen sind oft auch unter dem weniger sperrigen Spitznamen „Conchi“ bekannt.

Dolores: Niemand würde wohl sein Kind „Schmerzen“ nennen, wenn es nicht auch hier einen religiösen Ursprung gäbe: María de los Dolores.

Encarnación: Auch Encarnación ist ein Name gewordener theologischer Fachbegriff, denn wörtlich übersetzt bedeutet er „Fleischwerdung“ oder „Verkörperung“ und spielt somit auf die Menschwerdung Gottes im christlichen Glauben an.

Esperanza: In der Übersetzung ist dieser Name um einiges positiver als beispielsweise Dolores, denn Esperanza bedeutet im Deutschen „Hoffnung“.

Isabel: Als berühmte historische Namensträgerin ist Isabel la Católica (Isabella die Katholische) zu nennen, die Christoph Kolumbus für seine Entdeckungsreisen ausrüstete. Isabel ist zugleich die spanische Form des biblischen Namens Elisabeth.

Juana: Juana ist die weibliche Form von Juan und somit die spanische Form von Johanna, so wie Juan die spanische Form von Johannes bzw. Hans darstellt.

Luz: Ein kurzer und strahlender Name, der ins Deutsche übersetzt „Licht“ bedeutet.

María: María ist in Spanien ein überaus beliebter Mädchenname, der in dem katholisch geprägten Land sehr oft in Anlehnung an die Jungfrau María vergeben wurde. Viele spanische Mädchennamen leiten sich von Beinamen Marias ab.

Nieves: Wörtlich übersetzt handelt es sich um die Mehrzahl von „Schnee“. Dieser Name spielt in seiner ursprünglichen Bedeutung auf die große Reinheit der Jungfrau Maria an und wurde gemeinsam mit dem Vornamen María vergeben.

Maricielo: Eine nicht ganz so gängige, aber durchaus poetische Kombination von mar (Meer) und cielo (Himmel), die wie viele andere Namen aber auch aus der Kombination mit dem Vornamen María geboren sein könnte.

Mariluz: Ganz ähnlich wie Maricielo erklärt sich dieser Name als „Meer und Licht“ (mar y luz) oder aber als Verkürzung von „María de la Luz“, also Maria des Lichts.

Marisol: In die gleiche Familie gehört der sommerlich-warme Name Marisol, denn sol bedeutet auf Spanisch „Sonne“.

Mercedes: Auch Mercedes wurde ursprünglich nur als Beiname zu María vergeben, denn der Name bedeutet wörtlich „Gnaden“.

Milagros: Das Wort milagro, “Wunder”, ist im Spanischen männlich. Wie im Fall von Dolores und Carmen wurde eine Umdeutung zum weiblichen Vornamen möglich, weil der Name einst als Beiname für María vergeben wurde.

Montserrat: Es mag seltsam anmuten, warum jemand sein Kind “zersägter Berg” nennen sollte. Doch natürlich spielt auch hier eine Mariengestalt eine Rolle – María del Montserrat. Der Name selbst ist katalanisch und wird gerne als „Montse“ abgekürzt.

Natividad: Wörtlich übersetzt bedeutet der Name “Geburt” und spielt auf die Geburt des Jesuskindes an. Das spanische Wort für Weihnachten, navidad, hat somit die gleiche Wurzel.

Pilar: “Pfeiler” heißt der Name übersetzt und mutet nicht allzu liebevoll an. Wie so oft geht es um Religion: María del Pilar war und ist ein beliebter Mädchenname in Anlehnung an ein wundertätiges Marienbildnis auf einem Kirchenpfeiler.

Raquel: Der spanische Mädchenname Raquel variiert den biblischen hebräischen Namen Rahel bzw. Rachel. In der Bibel war Rahel die Frau von Jakob.

Remedios: „Hilfe, Hilfsmittel“ ist die wörtliche Übersetzung des Namens, der wiederum von der Namensgruppe „María de los Remedios“ stammt. In Spanien wie Südamerika ist dieser Name sehr beliebt.

Rosario: Erneut ein männlich klingender Name für Mädchen. Übersetzt bedeutet er „Rosenkranz“.

Soledad: Der Name bedeutet übersetzt „Einsamkeit“. „María de la Soledad“ ist meist die einsame Maria zu Füßen des gekreuzigten Jesus.